DIE SCHULE |
AKTUELLES |
UNTERRICHT |
ANMELDUNG |
Mit Stehvermögen und Goethe zum Abi Bildung: Teilnehmer des Aufbaukurses „Deutsch als Zweitsprache“ am Abendgymnasium kommen aus aller WeltVon Karin WalzDer, die, das – die Tücken der deutschen Sprache sind vielfältig: Von der Wahl des richtigen Artikels über die Rechtschreibung bis hin zur indirekten Rede. „Aber vor allem ist die deutsche Grammatik nicht besonders logisch“, stöhnt Renata Zimmer-Panunzio, „deshalb muss man viel auswendig lernen.“ Das Beherrschen der deutschen Sprache ist für die gebürtige Polin dennoch ein „Muss“ und Voraussetzung für das selbst gesteckte Ziel: Abitur machen. Das wollen auch Renata Zimmer-Panunzios zwölf Mitstudenten, zehn Frauen und zwei Männer, die seit dem letzten Sommer am Abendgymnasium den Aufbaukurs „Deutsch als Zweitsprache“ absolvieren. Zwei Semester lang büffeln die aus Polen, Moldawien, Iran, Australien, Usbekistan, der Ukraine, Kasachstan, Marokko und der Türkei stammenden Kursteilnehmer Vokabeln und Grammatik, analysieren Texte, trainieren das Hörverständnis, schreiben Diktate und halten Referate. Zehn Stunden Deutschunterricht sind pro Woche angesetzt. Hinzu kommt Landeskunde sowie – im zweiten Semester – Englisch. Das Pensum ist enorm und muss von den meisten noch neben dem Beruf bewältigt werden. Einige nehmen zudem lange Anfahrtswege in Kauf, denn das Weiterbildungsangebot des Darmstädter Abendgymnasiums für diejenigen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, ist einzigartig in der Region. Dennoch: Stress oder Anspannung ist den Kursteilnehmern nicht anzumerken. Man versteht sich, lacht viel zusammen. „Da hier viele Nationalitäten versammelt sind, erfahren wir auch viel über andere Länder und Kulturen“, beschreibt Renata Zimmer-Panunzio den zusätzlichen Reiz des Kurses. Und dass Deutsch lernen jenseits aller grammatikalischen Fallstricke auch Spaß macht, dafür sorgt Kirstin Bauermann. Seit drei Jahren unterrichtet die aus Darmstadt stammende Pädagogin am Abendgymnasium Deutsch, Geschichte und Politik. Ihr zentrales Anliegen im Deutschunterricht ist die Beschäftigung mit Literatur: „Liest man Gedichte oder einen Roman, dann dringt man viel tiefer in eine Sprache ein, als wenn man nur die üblichen Lehrbuchtexte behandelt. Da bleibt einfach auch im Unterbewusstsein eine Menge hängen.“ Der Herausforderung, ein ganzes Buch zu lesen und zu verstehen, haben sich die Deutsch-Studenten mit dem Lesen des Jugendromans „Krabat“ gestellt. Textanalyse und die Suche nach Synonymen standen dabei auf dem Stundenplan. Jeder Schüler musste zudem ein Lesetagebuch führen, wobei Form und Inhalt frei gewählt werden konnten. Informationen über den Autor, Inhaltsangaben, Fragen und eigene Anmerkungen zum Text haben die Kursteilnehmer notiert und mit Bildern oder eigenen Zeichnungen aufwendig ausgeschmückt. Mehr Selbstvertrauen zum Lesen deutscher Bücher haben dadurch alle gewonnen. Und der aus Kasachstan stammende Wladimir Beketow gehört seit der „Krabat“-Lektüre zur Stammkundschaft der Stadtbibliothek. Doch auch klassische Literatur gehört zum Unterricht. Mit Goethe – den meisten schon aus dem heimischen Unterricht bekannt – hat sich die Gruppe intensiv anlässlich einer Projektwoche beschäftigt. Das Ergebnis dieser Arbeit ist im Treppenhaus des Abendgymnasiums zu sehen, wo eigens erstellte Plakatwände das Universalgenie Goethe aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten – seine Reisen, seine Gedichte, sein Verhältnis zu Frauen. Ein Höhepunkt der Projektwoche war der Besuch des Goethe-Hauses in Frankfurt. Das Thema Goethe soll damit aber noch nicht abgeschlossen sein. Eine gemeinsame Fahrt nach Weimar zum Abschluss des Aufbaukurses ist in Planung, bevor es dann im Herbst mit dem regulären Unterricht am Abendgymnasium weiter geht. 6.5.2009 |
||